Archiv der Kategorie Sinkendes Schiff: Anderswelt.

Strauß

Du warst eben immer so einer und wirst es immer sein. Anstatt deine Augen für anderes zu öffnen hälst du dir einen Spiegel vors Gesicht und bist froh, wenn der traurige Clown seine Maske immer noch trägt. Und wenn du Angst hast, dass dir etwas Lehm aus dem Gesicht bröckeln könnte, steckst du deinen Kopf einfach in den nächsten Sand.

Anstatt Rechnungen zu lesen, legst du die Briefe ungeöffnet in den Papierkorb. Soll sich doch jemand anders darumkümmern.
Statt dich einer Herausforderung zu stellen, schießt du ängstlich Platzpatronen ab und bekommst es mit der Angst zu tun, wenn es jemand hört. Unerhört.

Du versteckst dich. Und du weißt es selbst nicht, weil du Angst hast, es zu erfahren.

RTL ist nicht Fernsehen.

“Satellite” ist eben nicht “Ein bisschen Frieden”. Und ein Raab ist kein Siegel.

Ein Urlaub ist kein Russell und ein Frühlingsmorgen ist kein Heiligabend. Ein Punk ist kein Mediziner. Und ein Medizinmann kein Arzt. Ein Tänzer ist kein Regenmacher. Und ein Didgeridoo ist kein Abwasserrohr. Eine Erdbeere ist keine Beere und eine Erdnuss keine Nuss.

Ein Koala ist kein Bär. Und eine Bar ist nicht McDonalds.

Bring your own guts.

Die Wahrscheinlichkeitsquote durchrechnend, dass ich spontan an Wahnvorstellungen leide, schau ich ein weiteres Mal auf das Display.

Ich fasse es nicht.
Es muss jetzt drei Jahre hersein und er hat sich durchgerungen und ruft mich an.
Ob er hofft, dass ich den Streit vergessen habe?
Ob er den Streit vergessen hat?
Ob wir einfach bei Null stehen?

Ich denke nach und wälze die Möglichkeiten durch. Und warte. Und gehe nicht ran.
Wenn’s wichtig war, ruft er nochmal ein.

Und wenn nicht, tu ich es.

Master of Slaves Club (3)

Es erinnert mich an die Situation beim Zahnarzt oder in seinem Wartezimmer, wo sämtliche Gesetze der Zeit ausgehebelt sind und eine Stunde gerne auch mal mehr als 480 Minuten dauern kann.
Unterm Strich vergehen Tage und Monate, bis der mir bekannte 0815-Polizist (ich nenne ihn “Horst” – auch, wenn sein Schild auf dem Schreibtisch, an dem ich vorbeigeführt(!) (ich wurde also behandelt, als wäre ich ein Krimineller!) wurde) behauptet hat, dass sein Name mit K anfängt) in diesen komischen sterilen Raum kommt und mir sagt, dass die mir entnommenen Blutproben eine metaphorische Schlinge um meinen Hals legen.

Er erklärt mir, dass ich durch den nachweislichen Drogenkonsum rein führerscheintechnisch ein massives Problem hätte (und die Tatsache, dass ich, was das anbelangt, sozusagen vorbestraft bin), mir aber rein rechtlich die Drogen nicht schaden können, was er mir ja auch, da ich ja so sympathisch und offen sei, nicht wünschen würde (Zitat Horst: “Und mal unter uns: Wir haben doch in unseren Jungsellenjahren alle mal etwas ausprobiert, auf das wir nicht unbedingt stolz sind”), weil Leibesvisitation und die Durchsuchungen in Kleidung und Auto negativ ausgefallen seien. “Da haben wir aber Glück.”

Ich hasse ihn.
Ich möchte ihn schlagen. Ihm schaden.
Seine freundliche Guter Bulle/Böser Bulle-Nummer kaufe ich ihm nicht ab und seine Anteilnahme ist geheuchelte Kotze.

Das sage ich ihm ins Gesicht.

Sein schnauzbärtiges Lächeln vereist und er verlässt wortlos den Raum, um seine Existenz durch zwei Kollegen, die nicht annähernd so pseudo-freundlich aussehen, auszutauschen.

Für jeden, den man von ihnen vernichtet, füllen Zwei seine Lücke.
Verrückte Welt.

Sie legen mir Handschellen an und führen mich in eine kleine Zelle, die zum Polizeipräsidium gehört. Na gut, ich bin wohl offensichtlich ein Krimineller.
Spätestens jetzt.

Nach drei Stunden Ausharren öffnet mir einer der – wenigstens ehrlich herüberkommenden Cops – die Tür und ich darf den Raum verlassen, mit der Auflage, dass ich einen Vertrag unterschreibe und – weil ich mich nun in einem laufenden Verfahren befinde – das Land nicht mehr zu verlassen, weil ich nun, so, jetzt ist Schwarz auf Weiß, ein Strafverdächtiger bin.

Prost. Charles Bukowski wäre stolz auf mich. Oder auch nicht. Schließlich war ich nie Postbote und Pferdewetten waren auch nie mein Ding.

Stattdessen verlasse ich diesen Raum, atme einen Hauch Luft, die hier in Freiheit irgendwie besser riecht und murmele etwas von
“Wir sehen uns wieder, Police Academy.”

Ich weiß, dass die letzten zwölf Stunden so etwas wie Jugendsünde waren. Aber ich weiß auch, dass ich jetzt endlich etwas zu erzählen habe.
Die Dame von heute Morgen rufe ich besser nicht an.

Ende.