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F9 – Doin’ it the russian way.

In Gedanken versunken, erfreue ich mich darüber wie ein kleines Kind, dass ich entdecke, dass gerade ein Russe eine Software mit dem Namen ChatRoulette erfindet. Russisches Roulette. Wie schön das ist.

Tatsächlich ist es ‘the next big thing’ – oder eben следующая большая вещь.
Und niemand merkt, wie sehr er zum Opfer seiner selbst wird. Wenn uns nichts blieb, war es das Antlitz. Und das ist jetzt nichts als Kriterium für F9 (Wegdrücken!) oder Einlassen. Und wer sich einlässt und weiterdrückt, findet auch nur Penisse und solche, die es werden wollen.
Man findet Internetprominenz und T-Prominenz der echten Welt. Ich habe mit einer Radiomoderatorin geschrieben. Booya. Und jetzt?

Ich stelle mir vor, wie sich jemand verliert und der Computer abgestürzt und die beiden für immer getrennt sind. Ich freue mich über soviel Tragik.
‘Und drehe es um.
Was, wenn jemand all die Videochatter da draußen – die technischen Mittel sind doch da – einfach den ganzen Tag aufzeichnen? Und dann das Material verwerten?!

Ich möchte ein Musikvideo drehen. Die Möglichkeiten habe ich ja anscheinend jetzt. Nur nicht die Zeit.

Und jetzt drücke ich F9.

Strauß

Du warst eben immer so einer und wirst es immer sein. Anstatt deine Augen für anderes zu öffnen hälst du dir einen Spiegel vors Gesicht und bist froh, wenn der traurige Clown seine Maske immer noch trägt. Und wenn du Angst hast, dass dir etwas Lehm aus dem Gesicht bröckeln könnte, steckst du deinen Kopf einfach in den nächsten Sand.

Anstatt Rechnungen zu lesen, legst du die Briefe ungeöffnet in den Papierkorb. Soll sich doch jemand anders darumkümmern.
Statt dich einer Herausforderung zu stellen, schießt du ängstlich Platzpatronen ab und bekommst es mit der Angst zu tun, wenn es jemand hört. Unerhört.

Du versteckst dich. Und du weißt es selbst nicht, weil du Angst hast, es zu erfahren.

Bring your own guts.

Die Wahrscheinlichkeitsquote durchrechnend, dass ich spontan an Wahnvorstellungen leide, schau ich ein weiteres Mal auf das Display.

Ich fasse es nicht.
Es muss jetzt drei Jahre hersein und er hat sich durchgerungen und ruft mich an.
Ob er hofft, dass ich den Streit vergessen habe?
Ob er den Streit vergessen hat?
Ob wir einfach bei Null stehen?

Ich denke nach und wälze die Möglichkeiten durch. Und warte. Und gehe nicht ran.
Wenn’s wichtig war, ruft er nochmal ein.

Und wenn nicht, tu ich es.

Nie tro.

Es wird Zeit, dieses Auto zu loszuwerden.

Aus der Not heraus und von einem Tuner aus Duisburg, mit eindeutig schwierigem sozialen Umfeld, für zuviel Geld übernommen, um dann festzustellen, dass an diesem Auto rein gar nichts cool ist.

Die gesunde Mischung aus Golf 3, Duftbäumchen, Dröhnauspuff (mit dem unvergleichlichen Klang zweier Waschmaschinen, die sich duellieren, welche zuerst die andere Wand des Waschkellers erreicht) und verdunkelten Scheiben schiebt sich unter meinem Hintern zwar relativ komfortabel durch die Stadt, die Geräuschkulisse ausserhalb und vor allem in dem Wagen sind allerdings von sowasvonschlechten Eltern, dass hier einem alles vergeht.
Ich würde sogar soweit gehen, zu sagen: Startet ein Tuner den Motor im falschen Augenblick könnte dem Weibchen des Tuners doch glatt eine zentimeterdicke Schicht der Gesichtsbetupfelung entfallen.

Was bereits von Anfang an, kurz nach dem Kauf, für mich ein großes Problem darstellte, waren die Aufkleber für einige “Marken” an linker und rechter Seite des Auto. Die vorderen Kotflügel waren mit einer, von oben nach unten verlaufenden, weißen Bannerreihe beklebt, auf der einige Firmen Platz fanden, für deren Produkte offensichtlich kein Geld war.
Da ich als lediglich fahrender, aber niemals Bescheid wissender, geschweige denn bastelnder, Autoinnenlebenidiot nicht wusste, wofür diese Labels denn so stehen, und weil meine Faulheit einen elementaren Platz in meinem Leben abnimmt, habe ich mir jedoch nie die Mühe gemacht, es herauszufinden oder diese Klebestreifen zu entfernen.

Peinlich wurde es dann nur, als mich ein Bekannter fragte, ob der Wagen denn echt Lachgaseinspritzung hätte.

“Wieso?”
“Ja du hast doch ‘n NOS-Aufkleber!”
“Achja?”

Fakt ist: In diesem Auto waren vermutlich schon so eine Menge Gase und Giftstoffe. Aber Lachgas sicherlich nie.
Wobei man sich schon die Frage stellt, wieso dann immer alle lachen, wenn ich mit meinem Röhrschlitten an ihnen vorbeifahre.